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Der Antrag auf Kostenübernahme

Antrag auf Kostenübernahme bei Kassenpatienten

Psychotherapie ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, die von der Krankenkasse bezahlt wird. Jedoch ist sie keine Regelleistung der Krankenkasse, so dass vor Behandlungsbeginn die Therapie beantragt werden muss. Zu diesem Antrag muss auf jeden Fall ein Konsiliarbericht eingereicht werden. Nicht alle Psychotherapeuten können mit den gesetzlichen Krankenversicherungen abrechnen. Dafür müssen sie bestimmte Qualifikationen erfüllen. Sie müssen approbiert sein, von einer "Kassenärztlichen Vereinigung" zugelassen sein und eine Therapie anwenden, die sich wissenschaftlich als wirksam erwiesen hat und sozialrechtlich zugelassen ist. Ein solches Verfahren wird "Richtlinienverfahren" genannt.

Welche Therapie sozialrechtlich zugelassen ist, legt der so genannte "Gemeinsame Bundesausschuss" fest, ein öffentlich-rechtliches Selbstverwaltungsgremium der Ärzte, Psychotherapeuten und Krankenkassen. Derzeit sind drei Therapien anerkannt: die analytische Psychotherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und die Verhaltenstherapie.

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten behandeln Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von 0 bis 21 Jahre.

Antrag auf Kostenübernahme bei Privatpatienten

Die Leistungen der privaten Krankenversicherung sind nicht einheitlich geregelt. Entscheidend ist, was der Versicherte und seine Versicherung vertraglich vereinbart haben. Auch die privaten Krankenversicherungen erstatten meist nur die Kosten für Behandlungen mit anerkannten Verfahren, genannt „Richtlinienverfahren“. In jedem Fall ist es ratsam, sich vor Behandlungsbeginn die Bedingungen für den Antrag auf Kostenübernahme schriftlich bestätigen zu lassen. Zu diesem Antrag muss auf jeden Fall ein Konsiliarbericht eingereicht werden.

Die privaten Krankenversicherungen benutzen keine einheitlichen Formulare. Sie als Eltern oder als junge/r Erwachsene/r müssen sich selbst bei Ihrer Kasse um die Antragsformulare für die Psychotherapie bemühen und diese mitbringen.

Bei Beamten, die beihilfeberechtigt sind, besteht häufig gleichzeitig auch eine private Krankenversicherung. Die private Krankenkassen schließt sich in der Regel dem Urteil des Gutachters der Beihilfestelle an. Auch jede Beihilfestelle stellt dazu eigene Formulare (meist zum Download auf den Beihilfe-Homepages) zur Verfügung, um die Sie sich als Eltern oder junge/r Erwachsene/r selbst bemühen müssen.

Der Therapeut schickt, wenn alle Formulare ausgefüllt sind und sein Bericht an den Gutachter fertig ist, alles an die Beihilfestelle und/oder die private Krankenversicherung und bittet um Übernahme der Kosten für die Psychotherapie. 

Der Konsiliarbericht

Zur Einholung des Konsiliarberichtes überweise ich als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin am Anfang der probatorischen Sitzungen und vor Begin der Psychotherapie den Patienten an einen Konsiliararzt. Auf der Überweisung gebe ich dem Kinderarzt oder Hausarzt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine kurze Information über die von mir erhobenen Befunde und die Indikation zur Durchführung einer Psychotherapie.

Der Arzt erstellt mir als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin nach persönlicher Untersuchung des Patienten Den Konsiliarbericht. Der Bericht wird mir entweder vom behandelnden Arzt zugeschickt oder Ihnen direkt ausgehändigt.

Der Konsiliarbericht ist insbesondere zum Ausschluß somatischer Ursachen wichtig und enthält eine Empfehlung gegebenenfalls eine psychiatrische oder kinder- und jugendpsychiatrische Mitbehandlung hinzuzuziehen.

Er soll bei Vorliegen Angaben zu folgenden Sachverhalten enthalten: aktuelle Beschwerden des Patienten, den psychischen und somatischer Befund (bei Kindern und Jugendlichen insbesondere unter Berücksichtigung des Entwicklungsstandes) im Zusammenhang mit den aktuellen Beschwerden. Dazu kommen relevante anamnestische Daten, relevante stationäre und/oder ambulante Vor- und Parallelbehandlungen inklusive einer gegebenenfalls laufenden Medikation, sowie medizinische Diagnose(n), Differential- und Verdachtsdiagnose(n) und gegebenenfalls Befunde, die eine ärztliche/ärztlich veranlasstte Begleitbehandlung erforderlich machen. In äußerst seltenen Fällen wird er eine Kontraindikation für die Durchführung einer psychotherapeutischen Behandlung zum Zeitpunkt der Untersuchung feststellen.

Gemeinsames Sorgerecht der Eltern

Grundsätzlich ist bei einer Psychotherapie von Patienten unter 14 Jahren, bei gemeinsamen Sorgerecht die Zustimmung beider Eltern notwendig. Nach dem gesetzlichen Leitbild (§§1626Absatz 1, 1627BGB) haben beide Eltern grundsätzlich das gemeinsame Sorgerecht. Dies gilt unabhängig davon, bei welchem Elternteil das Kind wohnt. Das bedeutet, dass vor einer medizinischen Maßnahme bei nicht einwilligungsfähigen Minderjährigen stets beide Eltern einwilligen müssen, es sei denn, einem Elternteil (oder jemand anderem) wurde das alleinige Sorgerecht zugesprochen. Dieses alleinige Sorgerecht oder die alleinige Gesundheitsfürsorge ist bei einem Therapieantrag vorzulegen.

Weigert sich ein Elternteil, zum Beispiel in einer akuten Trennungssituation oder ist beispielsweise die Zustimmung aufgrund eines Auslandsaufenthaltes nicht einzuholen, dann kann sich der andere Elternteil Hilfe beim Jugendamt holen, ggf. wird dieses an Stelle des Elternteiles unterschreiben oder das Familiengericht wird hinzugezogen.

Patienten ab einem Alter von 16 Jahren können den Therapieantrag selbstständig unterschreiben. Bei 14 bis 16-jährigen Patienten ist es eine Frage der Abwägung im Einzelfall, ob der/die Patient/in über die behandlungsbezogene natürliche Einsichtsfähigkeit verfügt, um den Therapieantrag selbst zu unterschreiben.